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In unserem Jahresthema 15/16 erforschen wir die verschiedenen Manifestationen des „Nicht-Willkommen-Seins“ in unserer Welt im Wandel. „Not welcome“ gilt hierzulande für Nuklearen Müll, Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheiten, Klimawandel, Krieg, Flüchtlinge… Die Antworten auf unsere Ängste kennen wir: Vom abgeschlossenen Privatgrundstück hin zur Gated Community, von der Schutzmauer hin zu Frontex, von „my-home-is-my-castle“ hin zur „Festung Europas“ – aus kleinen Abgrenzungen wurden große Systeme der Abwehr.

Staat und Staatengemeinschaften entwickeln unsichtbare Mauern aus Regelsystemen, um den Zugang in unserem wohltemperierten Crystal Palace der Globalisierungsgewinner zu reglementieren. Wie wir uns vor diesem Unwillkommenen schützen ist nicht mehr länger ein Frage der Technik, sondern es ist vielmehr eine soziale Frage.

Die Berliner Mauer wurde zwar abgerissen, aber es gibt mehr Kilometer Grenzzäune als jemals zuvor, die eine stetig wachsende Anzahl von Flüchtlingen zu überwinden versucht. In seinem Buch „Brasilianisierung“* stellt Ulrich Beck Ende der 90er Jahre die These auf, dass Europa in nächster Zukunft einen sozialen Wandel in Richtung einer zunehmend sozialen Ungleichheit durchgehen wird, mit einer zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich, einem Aufkommen einer informellen Wirtschaft und einem Scheitern des Versorgungsstaates. Mit den daraus resultierenden Konsequenzen.

Ein running joke in Brasilien lautet, dass sich die Hausbewohner in Sao Paulo freiwillig in ihren Häusern einsperren, während die Einbrecher frei umher laufen. Gleichzeitig ist Brasilien ein Einwanderungsland, in welchem sich die unterschiedlichsten Formen von „WELCOME“ und „NOT WELCOME“ innerhalb der Gesellschaft und nach außen hin manifestieren. *Im Rahmen einer Forschungsreise sollen spezifische Phänomene in Brasilien als Case Study zu den innerhalb des Jahresthemas behandelten Fragestellungen untersucht werden. Paradoxerweise erleben wir gleichzeitig zum Phänomen des „Ein- und Aussperrens“ eine Renaissance der „Willkommenskultur“ – wir teilen unsere Wohnungen mit Couchsurfern, öffnen unsere Räume unbekannten Facebook-„Freunden“, praktizieren direkt gelebte zivilgesellschaftliche Hilfe für Migranten und Asylbewerber, und wollen „teilen, teilen, teilen“ (Mantra der Sharing-Economy).

Das Jahresthema „Not Welcome“ wird die philosophischen, politischen, räumlichen, designtechnischen und strategischen Implikationen und Manifestationen des Phänomens untersuchen – und YOU are WELCOME, daran teilzunehmen!


„Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, und niemand wird bezweifeln, daß er seine Daseinsberechtigung hat, dann muß es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann… so ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.“ Sehr schön benennt Robert Musil in “Der Mann ohne Eigenschaften” das Ziel einer Kunstuniversität; forschend entwerfen an einer möglichen Zukunft. Nach den Metall-Meisterklasse von Helmuth Gsöllpointner, seit 1973, übernahm 2001 die Architektin Elsa Prochazka den Studiengang und formte diesen zu raum&designstrategien. Unter der Leitung von dem ‚indie’ Stadtplaner Ton Matton gibt es seit 2014 Raum & Design S t r a t e g i e n edition3